
Am 22. September 1878 versammelten sich die Herren Karl Messenberg, Bernhard Staudigel, Victor Nothmann, Ludwig Bamberg und Emil Preiss und gründeten die “Aktiengesellschaft zum Betrieb einer Deutschen Schule”, und entsprachen so einem Anliegen der Deutschen Kolonie in São Paulo. Es wurde eine “Deutsche Schule” - Escola Alemã - ins Leben gerufen: eine konfessionslose Schule, in der die Kinder Deutscher die deutsche Sprache und Kultur erlernen und vertiefen konnten, ohne sich jedoch der brasilianischen Umwelt zu entfremden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten begann der Unterricht am 7. Januar 1879 unter der Leitung von Direktor F. Burmeister: 52 Kinder wurden von Otto Stieher und Bertha Wegner unterrichtet.
Die Schule wuchs und weil die Schule so erfolgreich war, besuchte am 18.September 1886 Seine Kaiserliche Majestät Dom Pedro II. das Schulhaus in der Rua Florêncio de Abreu 19.
Dank der Nachfrage Interessierter zeichnete sich bald die Notwendigkeit ab, zwei neue Zweigstellen an der Peripherie zu gründen: eine Schule in Consolação, eine andere in Barra Funda. Etwas später, im Jahre 1910, rief J.P. Lehfeld die “Schulhausbaustiftung” ins Leben, deren Aufgabe es war, die nötigen Mittel für einen Schulbau zu erwirtschaften. Das gelang auch. Dank großzügiger Spenden –stellvertretend für viele andere seien die Familien Brenne und Heydenreich genannt - kamen im Jahre 1911 die Pläne für den Bau, der von August Fried konzipiert worden war, zur Ausführung. Die Schule in der Rua Olinda - bald nur Olindaschule genannt - wurde 1913 eingeweiht, doch war ihr Weg weiterhin durch Höhen und Tiefen gezeichnet. Ab 1923, als Frau Helene Stegner-Ahlfeld und Dr. Gustav Adolf Hoch die Direktion übernahmen, stabilisierte sich die Schülerzahl. Die Schule wurde von deutscher Seite als Realschule anerkannt, von brasilianischer als Gymnasium.
Die schwierige Zeit des Zweiten Weltkrieges brachte große Veränderungen mit sich. So wurde die Schule zunächst “Colegio Brasileiro-Alemão” genannt und erhielt später ihren heutigen Namen: Colégio Visconde de Porto Seguro.
Unter der Leitung von Dr. H. Turelli begann die Schule in den 50er Jahren zu wachsen. Der Schulträger bekam die Rechtsform einer Stiftung; neue Anlagen wurden gebaut, und die Expansion erstreckt sich bis in die heutige Zeit. Berühmte Persönlichkeiten wie die Königin Silvia von Schweden oder der Olympiasieger Robert Scheidt, haben die Schule besucht und sind ihr bis heute verbunden.
Seit 1903 ist es eine Tradition des Hauses, Schuljubiläen festlich zu begehen: das erste, das 25-jährige Bestehen der Schule, wurde im Theatro Sant'Anna gefeiert, die 125 Jahrfeier wurde im großen Rahmen im Stadion ”Cícero Pompeu de Toledo” begangen.
Die Aufarbeitung der Geschichte dieser Institution hat Ende 2004 begonnen und kann im “Centro de Memória” am Beispiel zahlreicher Dokumente, Fotografien und sonstiger Schriften nachvollzogen werden.